Hl.Gral

Vorbemerkung

Diese Arbeit ist der Versuch, verschiedene teils sich er­gänzende, teils sich wider­sprechende Aus-Sagen, Legenden, Deutungen auf eine Ebene zu projezieren. Hauptsächlich wird auf die vorliegende Darstellung von Matthias Weigold "Die Suche nach dem Heiligen Gral" zurückgegriffen, ohne im Einzelfalle die hier jeweili­ge Quelle ausdrücklich zu benennen, da - der Leser möge verzeihen - es (mit eigenen Recherchen und weiteren Kleinstaussagen aus verschiedensten Mei­nungsäußerungen) zu ver­zahnt ist.

Die oft zeilenmäßig notwen­digen "Quellenangaben" würden mehr Platz bean­spruchenals der Text.

 

 

Gehen wir zuerst also der Frage nach:

 Was ist/bedeutet "Gral"?

 

GRAL lat. "gradalis", bedeu­tet " gestuft" , Stufenschüssel, deutet also auf eine (fla­che?) Schale hin.

Provenzialisch "grazal", alt­französisch "graal", "greal", ist ein dem Erwählten zeitli­che und ewige Seligkeit spendendes Wunderkleinod. Dieser "Glaube" entsprang teils keltischen, teils orientali­schen Ursprüngen mythisch­

kosmologischen Gepräges.

 

Ein mittelalterlicher Legen­denkranz steigerte in vermut­lich bewußter Vermischung christlicher und arabischer Gedanken alles z.T. ins Ritter­

liche und machte aus dem

Gral einen Stein mit mär­chenhaften Wunderkräften, der von einem Ritterorden (Templeisen) unter einem (eben so mysteriösen) König auf der Burg Montsalvage gehütet wurde.

 

 

Wann begann nun"Unsere" Gralslegende? 

Zum Einen soll es sich um die Schale gehandelt haben, aus der Jesus seinen Jüngern das Letzte Abendmahl spen­dete. Es ist teilweise nicht von einer goldenen Schale die Rede (Woher sollte die arme Wanderpredigerschar auch Gold gehabt haben?), andererseits wird doch von einer goldenen Schale oder einem goldenem Kelch (für den Wein) berichtet.

Zum Zweiten soll es sich um ein Gefäß gehandelt haben, mit dem ein Anhänger Jesu (a) ohne Namensnennung,

b) Joseph von Arimathäa, derselbe, der auch sein Grab zur Verfügung gestellt hat) das Blut Jesu unter dem Kreuz aufgefangen hatte.

Dieser nun "heiligen" Schale mit dem Blute des Gekreu­zigten schrieb mandern wu­tätige, lebensspendende Kräfte zu. Dieses Blut zu schützen und vor Ungläu­bigen zu bewahren, war zunächst Aufgabe der Ritter vom wahren Glauben, den Katharern, zu denen wir nun aber erst einmal finden müs­sen.

Kehren wir also zurück nach Jerusalem:

Da gab es diese Schale/die­sen Kelch, aus dem Jesus das Letzte Abendmahl ge­spendet hatte.

Dann war da das Gefäß, mit dem Josef von Arimathäa das herabtropfende Blut des gekreuzigten Jesus aufge­fangen hat.

Dieses Gefäß wurde zum hei­ligsten Reliquiar der jungen Christenheit schlechthin.

Nun war dieses kostbare Gut,

wenigstensder Legende nach, in Gefahr:

Römer und Juden trachte­ten danach. Wiederum der Legende nach, flüchtete Josef von Arimathöa mit die­sem Gral bis nach Südfrank­reich. Wie und wann er dort­hin kam, ist nicht verbrieft. Das Geföß gelangte jeden­

falls  in          den          Besitz          einer

einflußreichen christlichen Sekte, den Katharern, die mit der römischen Kirche rivali­sierten.

 

  

Wer waren die Katharer?

Die Katharer (griech. katha­roi = Reine) waren eine auf dem Balkan (Bogomilen) entstandene manichöisch­gnostische Sekte des 11.-13.

Jahrhunderts. Ihre Lehre (Ka­tharismus) basierte teils auf dualistischem (gutes und böses Urprinzip = Die Seele, der Geist ist gut die Materie, der Leib sündhaft), teils auf monarianischem (Erschaf­fung der Welt durch Luzifer) Gedankengut.

Sie verwarfen Sakramente, Eid, Eigentum, Ehe, leib!. Auf­erstehung, Staat und Kirche.

Im Gebiet der Rhonemün­dung hatte Josef zu diesen Menschen gepredigt und weil ihm von Jesus Christus selbst das wahre Wesen Gottes offenbohrt worden war, sahen die Menschen (die sich Katharer = die

Reinen nannten,) in ihm und nicht in den Aposteln Petrus und Paulus und deren Lehren, bzw. deren Nachfol­gern, den Päpsten, den Künder des wahren Christen­tums.

Ja war der Heilige Gral, der Schatz der Katharer, nicht sichtbares Zeichen des göttli­chen Auftrags an Josef von Arimathäa?

Die Katharer hatten starken Zulauf und bildeten glau­bensmäßig eine echte Ge­fahr für die Römische Kirche. Papst Innozenz 111. (1198-1216) sah sich aus Sorge um das Glaubensmonopol und die kirchliche Macht genötigt, den Katharen den Krieg zu erklären.

 

Dieser Kreuzzug, auch als AI­bigenserkriege (nach Albi,

einer südfranz. Stadt nord­öst!. von Toulouse) 1209-29 bekannt, wurde von beiden Seiten mit äußerster Grau­samkeit geführt.

Er endete mit der Nieder­werfung der Ketzer. Die völli­ge Ausrottung "besorgte" die Inquisition.

Der von ihm eingeleitete Kreuzzug gegen die" Ketzer" (abgeleitet von Katharer) dauerte fast 50 Jahre. Fast zwei Drittel der Bevölkerung wurde in ihrem Stammland, der Provinz Languedoc von den Kreuzrittern" im Namen Christi" getötet.

Als ihre Kampfkraft zu Ende ging, verschanzten sich die letzten Katharer mit ihrem Schatz, dem Heiligen Gral, in der Bergfestung Montsegur. Diese Burg stand auf einer steilen Felsklippe am Rande

der Pyrenäen. Zehn Monate konnte sich die vom rechten Glauben überzeugte Schar gegen die Belagerer vertei­digen. Ja, sie wehrte erfolg­reich einen Angriff berger­fahrener Söldner ab, die bei einem Guerilla-Angriff die Burg zu stürmen versuchten und fast allen Wächtern die

Kehlen durchschnitten. Die Belagerten gaben nicht auf.

Erst nachdem die letzten Vorräte verbraucht, die Kräf­te erschöpft waren, kam das

Ende für diese Schar am Montsegur (Berg des Heils) am 16. März 1244.

Ihren Schatz aber wollte sie in Sicherheit bringen. In der Nacht vor der Kapitulation seilte sich ihr Anführer, Amiel Aicard, mit drei Kampfge­fährten in halsbrecherischer Kletterpartie über die lot

rechten Felswände ab. Esgelang ihnen, sich durch das Lager der Kreuzritter zu schleichen und den Gral in Sicherheit zu bringen.

Als auf einem gegenüberliegenden Berg ein Signalfeuer aufflammte, wußten die Belagerten, daß es ihren vier Männern gelungen war, den Schatz der Katharer in Sicherheit zu bringen.

Die letzten 225 Verteidiger ergaben sich den Kreuzrittern und wurden von diesen am Fuße des Berges auf riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Sie gingen singend in den Tod. - Der Schatz der Katharer aber ist seit jener Zeit verschollen

 

Die ältesten Legenden                                             

Wir müssen uns also, wenn wir uns heute erneut auf die Suche nach dem Heiligen Gral machen, den ersten Legenden zuwenden.
Frankreich ist dafür der richti­ge Ort denn hier tauchten, quasi aus dem Nichts, die ersten uns bekannten Quel­len über dieses Thema auf. Das Motiv des Heiligen Grals erscheint in acht Manuskrip­ten, die zwischen 1180 und 1220 von unterschiedlichen Autoren stammen. 
Das hier wiederum uns be­kannte älteste Werk stammt von Chretien de Troyes. Sein Titel lautet" Le Conte dei Graal" (Die Erzählung vom Gral). 
Das Werk ist ein Versroman. Er berichtet von einem Helden "Parzival von Wales", Dieser wird von seiner Mutter an den Hof von König Artus gesandt um dort zum Ritter 
erzogen zu werden. Nach seiner Ausbildung begegnet er auf dem Heimwege zwei Fischern, die ihn zu einer geheimnisvollen Burg führen. Er wird als Ritter ehrenhaft empfangen und erblickt zum ersten Mal den Gral. Dieser Gral wird anläßlich eines Banketts in feierlicher Prozes
sion in den Saal getragen. Bei Chretien heißt es "Es kam eine Dame und hielt zwischen ihren Händen einen Gral". (Es war offensichtlich nicht ein bestimmter, sondern eben "einer"). Doch weiter im Text: "Sie war wunderschön anmutig und herrlich geschmückt. Und als sie mit dem Gral in den Händen eintrat, erstrahlte ein solch helles Licht, daß alle Kerzen ihre Leuchtkraft verloren. ".
Was für ein Gegenstand
der Gral nun genau war, bleibt unklar. Zwar schreibt Chretien "Er war aus reinem Gold und mit vielen kostbaren Steinen besetzt - die schönsten und kostbarsten, die im Meer oder in der Erde existieren. "
Doch kann man letztlich nur vermuten, daß es sich um ein Gefäß handelte, denn der kranke König Amfortas entnimmt dem Gral geweihte Hostien, seine einzige Nahrung.
Amfortas war durch einen vergifteten Speer verwundet, wurde durch Parzivals erlösende Frage von seinen Qualen erlöst.
Verworren wird die Legende etwa 10 Jahre nach dem
Tode des Chretien. Zwei unbekannte Autoren vollenden seinen Roman. Aber
jetzt heißt der Held nicht
mehr Pa rziva I, sondern
Gawain. Auch der Gral ist bei ihnen offensichlich kein Gegenstand mehr, sondern eine männliche Person:
Diese bewirtet in der sagenhaften Burg die dort versammelten Ritter. Da heißt es:
"Gawain sah, wie der herrliche Gral zur Tür herein kam und vor jeden ein Brot legte. Er schenkte auch Wein aus und füllte große Becher aus feinem Gold und deckte den Tisch damit." Aber die Verwirrung schreitet weiter fort, denn jetzt beschreiben diese beiden Autoren den Gral wieder eindeutig als Gegenstand:
"Es stimmt, daß Joseph ihn herstellen ließ. Joseph von Arimathäa, der den Herrn so
sehr liebte, daß er am Tage,als jener gekreuzigt wurde, mit dem Gral nach Golgatha kam. Er stellte ihn sogleich unter Gottes Füße, die naß von Blut waren und sammelte soviel wie möglich in diesen Gral aus feinem Gold."
Sehen wir noch einmal kurz nach Jerusalem und zum Letzten Abendmahl, so wie dem eingangs Gesagten: Jesus schickt (Matth. 26.18, Mark. 14.14 ff, Luk. 22.10 ff) Jünger in die Stadt, wo sie einen offensichtlich reichen Hausherrn - ohne daß sein Name genannt wird - finden, der ihnen einen Speisesaal für das OsterOpferlamm-Essen anbieten wird. Wenn dieser reiche und mit Jesus sympathisierende Hausherr Joseph gewesen wäre, würde sich die Legende um eine goldne Schüssel, einen Gral, leichter erklären lassen.
Nach den Beschreibungen muß man sich den Gral eben als eine Art goldene Schüssel vorstellen, die aber frei im Raume schwebt und Speisen und Getränke produziert und in unbegrenzter Menge verteilt - (Art Mannamaschine?) In der weiteren Fortsetzung taucht sogar noch ein zweiter Gral auf, der jetzt aber ein geschnitzter Kopf war. Die sen Kopf soll ein Freund Josephs, Nikodemus, nach dem Vorbild des Gekreuzigten angefertigt haben.
Um 1199 taucht eine weitere Version auf. Robert de Boron schreibt in der "Geschichte des Heiligen Gral", wie auch ein unbekannter Autor um 1200 im "Didot Parzival",

wieder wie schon Chretien 
über den Gral als einen.
Kelch. Ganz neue Aspekte
zeigt der. einflußreichste Dichter seiner Zeit, Wolfram von Eschenbach in seinem
1205 verfaßten Gralsroman "Parzival" auf: Der Gral ist bei! ihm weder Kelch, noch
geschnitzter Kopf noch 
schwebender Essensspender, sondern ein magischer Stein. Wolfram nennt ihn "lapis excillis" (kleiner Stein). Angeblich hatte Gott mit diesem "schönsten Edelstein aus der Krone Luzifers" alle die bösen Engel verbannt, die ihn in seinen Kampf gegen den abtrünnigen Luzifer nicht unterstützt hatten. Doch damit immer noch nicht genug der Verwirrungen:
In der Gralsgeschichte eines
gende um eine goldne Schüssel, einen Gral, leichter erklären lassen.
Nach den Beschreibungen muß man sich den Gral eben als eine Art goldene Schüssel vorstellen, die aber frei im Raume schwebt und Speisen und Getränke produziert und in unbegrenzter Menge verteilt - (Art Mannamaschine?) In der weiteren Fortsetzung taucht sogar noch ein zweiter Gral auf, der jetzt aber ein geschnitzter Kopf war. Die sen Kopf soll ein Freund Josephs, Nikodemus, nach dem Vorbild des Gekreuzigten angefertigt haben.
Um 1199 taucht eine weitere Version auf. Robert de Boron schreibt in der "Geschichte des Heiligen Gral", wie auch ein unbekannter Autor um 1200 im "Didot Parzival",

wieder wie schon Chretien 
über den Gral als einen.
Kelch. Ganz neue Aspekte
zeigt der. einflußreichste Dichter seiner Zeit, Wolfram von Eschenbach in seinem
1205 verfaßten Gralsroman "Parzival" auf: Der Gral ist bei! ihm weder Kelch, noch
geschnitzter Kopf noch 
schwebender Essensspender, sondern ein magischer Stein. Wolfram nennt ihn "lapis excillis" (kleiner Stein). Angeblich hatte Gott mit diesem "schönsten Edelstein aus der Krone Luzifers" alle die bösen Engel verbannt, die ihn in seinen Kampf gegen den abtrünnigen Luzifer nicht unterstützt hatten. Doch damit immer noch nicht genug der Verwirrungen:
In der Gralsgeschichte einesunbekannten Autors "Perlesvaus" ist der Gral ein nicht definierter Gegenstand, der Visionen erzeugt. Dann wieder wird der Gral als Buch beschrieben, und zwar in dem um 1220 von einem ebenfalls unbekannten Autor geschaffenen Romanzyklus "Gran Saint Graal". Dieses Buch hat Jesus selbst geschrieben. Es ähnelt aber auch gleichzeitig doch wieder einem Kelch, der "nicht aus Holz oder irgend einem Metall noch aus einem Stein oder aus Horn oder aus Knochen" war.
Schon diese ersten acht Gralsbeschreibungen verwir
ren noch mehr, wenn man
über das Personal liest. Da ist die Rede von Hexen, Brunnengöttinnen, Kaiserinnen, Rittern, Zauberern

und jeder Menge merkwürdigen Getiers.
Sie liefern mit ihren symbolhaften Begegnungen und unglaublichen Kämpfen Stoff in jeder Menge, in dem
man sich bei der Suche nur zu leicht verlieren kann. Dazu kommt, daß die meisten Autoren sich wiederum auf ältere Quellen beziehen, aus denen sie die" wahre Geschichte des Grals" übernommen haben wollen.
Diese Quellen, Bücher, Manuskripte, Erzählungen sind aber für uns verloren.
Jedoch läßt sich in den uns erhaltenen o.a. Romanen ein buntes Gemisch aus frühchristlicher Mystik, heidnisch-keltischer Helden verehrung und islamischer Esoterik nachweisen.
So verschieden alle diese
Gralsgeschichten auch sind, sie sind letztlich nur Variationen eines Grundmotivs:
Joseph von Arimathäa hat den Gral aus dem Heiligen Land mitgebracht. Er wird, zur Zeit der Erzählung, von einem kranken König auf einer unauffindbaren Burg gehütet. Nicht nur der König, auch sein ganzes Volk leidet mit ihm an einem rätselhaften Siechtum. Der König und sein Volk können geheilt werden, wenn es einem besonders edlen Ritter gelingt, die geheimnisvolle, verborgene Gralsburg zu finden und wenn dieser Ritter angesichts des Grals dem König eine bestimmte, diesen erlösende Frage stellt. Immer ist es der König Artus von Britannien, der seine Ritter auf die Suche nach dem Gral aussendet.
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Dem bei ihm zum Ritter erzogenen Parzival bleibt es vorbehalten, endlich die Gralsburg zu finden.
Parzival hat als Ritter gelernt, daß der Jüngere zu schweigen hat und nicht vorlaut unaufgefordert reden/fragen soll. Also stellt er die so notwendige Frage nicht. König, Burg und Gral verschwinden und Parzival mußseine Suche von neuem beginnen.
Nach jahrelangen Irrfahrten entdeckt er die Burg tatsächlich zum zweiten Mal. Er ist (natürlich) älter, gereifter und stellt jetzt die entschei
dende Frage an den König, Wolfram von Eschenbach sagt es so:
Schluchzend sagte Parzival: "Sagt mir; wo der Gral hier liegt.
Wenn Gottes Liebe an mir siegt,
so wird das die Gemeinschaft spüren.
Er kniet dreimal hin in Richtung Gral, der Trinität zu Ehren, und erfleht die Befreiung des Königs von der Qual. Er richtet sich auf und fragt" Oheim, sag, was quält dich so?" Und siehe da der König wird auf der Stelle gesund das Land erblüht und Parzival wird der neue Gralshüter.
In allen Romanen gibt es aber einen Mann, der mit dem Gral eben so untrennbar verbunden ist wie Joseph von Arimathäa und Parzival: Das ist König Artus von Britannien. Dieser macht seinen Rittern die Suche nach dem Heiligen Gral erst zur Aufgabe. Unsere Suche muß also bei diesem legendären König beginnen.
auf dem einzigen Hügel in den Sandmarschen am Bristol Channel ein Kloster als Aufbewahrungsstätte für den Heiligen Gral gegründet.
Aus diesem nachgewiesenen Glastonbury sind aber leider der Gral wie auch das Artuskreuz aus Blei verschwunden. Sie wären die Beweise für die reale Existens des berühmten Königs gewesen. Auch Camelot seine berühmte Hauptstadt blieb bis heute unauffindbar. Ja letztlich gibt es keinen schlüssigen Beweis, ob Glastonbury tatsächlich Avalon ist. So gesehen führt der Versuch bei Artus auf der Suche nach dem Gral fündig zu werden, wiederum in die Irre.
Doch 1955 (!) hat der Engländer Graham Philips zum
Ende seiner mit detektivischer Akribie geführten Artus-Fahndung im englischen Hawkstone Park in einem Grottenlabyrinth tatsächlich einen kleinen, allerdings schmucklosen Onyxkelch gefunden, der aus römischer Zeit stammt.
Wieder die Frage: War das der "Heilige Gral"?
Über 900 Jahre suchen die Menschen wie besessen nach diesem Wunderkleinod. Der hier geschilderte Fund der heiligsten aller Reliquiare blieb in der Öffentlichkeit ohne Echo

 

 Wer ist König Artus

Dem ersten Anschein nach macht er noch keine Probleme.

Er ist eine historische Figur, ein keltischer Heerführer, der um 500 in der Schlacht am "Mons Badonis" gegen die Invasion der Angelsachsen kämpft. Frühmittelalterliche Quellen aus England berichten jedenfalls davon. Doch weiß bis heute kein Mensch, wo dieser Berg Badon liegt bzw. gelegen hat.

Der englische Geistliche Geoffrey von Monmouth nahm sich um 1135 dieses Themas an. Er beschreibt ihn in seiner "Historia Regum Britanniae". Alle wichtigen Daten (fast alle) von König Artus sind hier bereits enthalten. Es heißt Artus wird von König Uther Pendragon auf

der Burg Tintagel durch Ehe

auf dem einzigen Hügel in den Sandmarschen am Bristol Channel ein Kloster als Aufbewahrungsstätte für den Heiligen Gral gegründet.

Aus diesem nachgewiesenen Glastonbury sind aber leider der Gral wie auch das Artuskreuz aus Blei verschwunden. Sie wären die Beweise für die reale Existens des berühmten Königs gewesen. Auch Camelot, seine berühmte Hauptstadt, blieb bis heute unauffindbar. Ja letztlich gibt es keinen schlüssigen Beweis, ob Glastonbury tatsächlich Avalon ist. So gesehen führt der Versuch bei Artus auf der Suche nach dem Gral fündig zu werden, wiederum in die Irre.

Doch 1955 (!) hat der Engländer Graham Philips zum

bruch mit der schönen Ygerna gezeugt. Ygerna war

die Frau von Gorlois, dem Herzog von Cornwall.

Sein auf der Feeninsel Avalon geschmiedetes Zauberschwert Excalibur macht ihn schon als jungen Mann zum Helden. Er führt Eroberungszüge nach Dänemark, Norditalien, Frankreich und Deutschland.

Er kehrt als Sieger nach Britannien zurück. Unter seiner jetzigen Regentschaft beginnt ein zwölf jähriges Goldenes Zeitalter. Er gründet einen Ritterorden, in den er nur die besten Recken seiner Zeit aufnimmt.

Als Artus sich auf einen weiteren Feldzug nach Burgund begibt, reißt sein Neffe Mordred die Gewalt in Britannien an sich

Artus kehrt zurück, es kommt zum unvermeidlichen Kampfe, in dessen Verlauf Artus tödlich verletzt wird. Sein Leichnam wird auf die schon erwähnte Feeninsel Avalon gebracht. Hier endet seine Lebensbeschreibung.

In dieser Geschichte werden allerdings die brühmte Tafelrunde und der Gral nicht erwähnt. Der Auftrag Artus nach der Suche, die damit verbundene Idee vom edlen Rittertum und Minnedienst werden später von anderen Autoren Cu.a. Chretien de Troyes) eingefügt.

In seinem Buch "ExcaliburEuropäische Legenden um Artus" schreibt der walisische Historiker Gwyn A. Williams "Geoffreys Geschichtsschreibung hat einen zutiefst

patriotischen Beweggrund. Er mußte die Britannier und deren Nachkommen mit einer wertvollen und ehrehaften Geschichte versorgen, die derjenigen der

Franzosen mit ihrem Karl dem Großen vergleichbar war."

Wenn auch vieles von ihm ausgeschmückt oder abgewandelt worden ist, so erwähnt er doch zahlreiche historisch belegte Orte und Personen, wie z.B. diesen keltischen ritterlichen Raufbold Artus.

Die "Historia" bergründet so also den Ruhm des Königs. Mönche des Klosters Glastonbury behaupten schon 1190, sie hätten nach einem Brande bei den Aufräumungsarbeiten ihrer Kapelle ein Grab mit den Gebeinen eines 2,40 m großen Mannes

gefunden, dazu einige kleinere Knochen und ein Büschel blonder Haare. Außerdem habe in diesem Grab ein Kreuz gelegen, auf dem in lateinisch eingraviert war" Hier liegt der berühmte König Artus auf der Insel Avalon mit seiner zweiten Frau Guinevre begraben."

Die Briten, und nicht nur diese, halten seither Glastonbury für das legendäre Avalon.

Es entwickelte sich ob dieser Mär rasch zum Wallfahrtsort und zu einem der reichsten und bedeutendsten Klöster Britanniens.

Lokale Legenden erzählen gar, Joseph von Arimathäa habe seine Flucht nicht in Südfrankreich beendet, sonder eben erst an der Südküste Englands. Dort habe er

Daten und Legenden im Widerspruch

Angeblich gaben die Katharer ihren Widerstand (am 16. 3.) 1244 auf, nachdem sie den Gral bis dahin auf ihrer Burg gehütet hatten. Die ersten Legenden tauchten aber schon um 1180 auf. Wolfram von Eschenbachs "Parzival" um 1205. König Artus lebte um 500!

Das sind nicht auszuräumende Widersprüche, aber offensichtlich ist die Erkenntnis nichtig.

Die übermächtige Verbindung zwischen König Artus und dem Gral besteht offenbar darin, daß es im Grunde ohne Bedeutung ist, ob beide in Zeit und Raum tatsächlich irgendwo und irgendwann existiert haben. Einzig von Bedeutung ist, was sie symbolisieren:

Artus verkörpert den politischen Gesalbten, der die Suche nach dem Symbol "Gral" anregt, um damit der verrohten Gesellschaft ein neues hehres Ziel zu setzten. Die von Artus ausgesandten Ritter sollen nicht tatsächlich den Gral finden, sondern sich selbst innerlich vervollkommnen. Diese visionäre Reise wäre eine spirituelle Reise zu Gott, weit mehr als nur ein weltliches Abenteuer. Es ist eine Reise, die die Menschen wie vor 900 Jahren, so auch heute noch zum inneren Aufbruch anregt.

 

Der mißbrauchte Gral

Waren/sind Gralssucher nun Spinner; Gottsucher; Träumer; die in alten Legenden, mittelalterl ich-ch ristlichen Fantasien Weltverbesserung suchen? Es stecken aber erstaunliche Energien in den Gralsgeschichten. Das er

kennt man aber erst und am

besten, wenn man den Mißbrauch, der mit dem Gralskult getrieben wurde, erkennt.

Da ist zum Beispiel der junge Deutsche Otto Rahn zu nen

nen, der 1931 mit dem Schulmeister Antonin Gadal am Montsegur nach dem

Schatz der Katharer suchte. Dieser Rahn schreibt von sich, er sei "unter der magischen Strahlung des Grals" geboren. Er wurde natürlich auch nicht fündig (wie die vielen Anderen) aber er verfaßte das Buch" Kreuzzug gegen den Gral". Dieses Buch, das die wirrsten Spekulationen enthält, erregte das Interesse des Reichsführers der SS, Chef der Leibstandarte SS Adolf Hitler; Heinrich Himmler.

Es ist heute dokumentiert, in welchem Maße die NS-Prominenz von der wirren Mystik alter Heldendichtungen und absurdesten Kosmologien beherrscht war. NS-Institutionen, wie Thule-Gesellschaft und die SS-Gruppe Ahnenerbe, beschäftigten sich ge

zielt mit der Schaffung einer.

Weltanschauung, die neoheidnisch, germanischarisch geprägt war. Die Männer um und hinter Hitler hatten mit einer uns heute erschreckenden Instinktsicherheit erkannt wie wertvoll-hilfreich eine Symbolfigur, ein Archetypus wie Artus und die Gralslegende ist wenn es darum geht ein im Grunde geistig hochwertiges Volk zu blind-begeisterter Gefolgschaftstreue zu verführen. Himmler organisierte seine SS nach dem Vorbild der Artus Ritterrunde. Er nannte sie "Schwarzer Orden des Todes" .

Aus der Wewelsburg ließ er für die SS ein zweites Camelot errichten; völlig im Stil der Tafelrunde mit einer runden Krypta und einem Saal für Versammlungen.

Auf einem schimmernden Schlachtroß sitzend ließ sich Hitler als Gralsritter in schimmernder Rüstung mit einer Fahne in der Hand darstellen. Dieses Ölgemälde wur

de mit eiskaltem Kalkül als Propagandaplakat gebraucht. Wenn Hitler die Seele seines Dritten Reiches beschwor, sprach er, präziese teuflisch-genial kalkuliert, vom "Heiligen Gral des deutschen Blutes".

Waren diese Ansichten einmalige Geistesirrungen eines abartigen politischen Exzesses? Keinesfalls!

Kein Geringerer als der spätere Präsident John F. Kennedy und sein Clan fanden es angemessen, die Haupt

stadt Washington mit dem Code-Namen" Camelot" zu ehren.

EPILOG

Die Psychologie der Grals-Suche.

Die Gralssage hat ihre Faszination auch für den heutigen Menschen nicht verloren. Schon deshalb regt sie zu einer psychologischen Aufarbeitung an. Ein immer noch lebendiger Mythos scheint in ihr immer noch vorhanden zu sein.

Die Tochter des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung, Marie-Louise von Frantz kommt jedenfalls in ihrer Abhandlung" Die Gralslegende in psychologischer Sicht" zu dieser Erkenntnis, Sie schreibt weiter, daß der verschollene Gral und die Suche nach diesem etwas sind, was ihr Vater C,G. Jung "Archetypus" (Urbild/Muster) bezeichnet hat. Es handelt sich um ein Motiv, das die Menschen in ihrer Seele, in ihrem Innersten aufwühlt.

Es sind gerade mal 8 Jahre her, daß sich die amerikanische Psychologin Jean Shinoda Bolen (1994) auf eine Gralssuche im Sinne C.G. Jungs nach Glastonbury aufgemacht hat. Auch in ihrer völlig modernen Ansicht der Gralslegende

hat die Suche nicht mit dem

Heiligen Gral selbst zu tun, sondern das Finden von Heilung von allem, was die Menschen, mittelalterliche Tafel

ritter wie Menschen des

21. Jahrhunderts, körperlich und seelisch quält:

Angst, Sinnlosigkeit, Leere, Pessimismus, Kirchenversagen,

Sie beschreibt ihre Suche bewußt als Pilgerfahrt.

"Die Gralslegende ist eine der zentralen Mythen auch des zweiten christlichen Jahrtausends. Die Geschichte drückt höchst anschaulich den psychologischen Weg zur Ganzheit aus. Und sie enthält ein ganz eindeutiges Versprechen:

"Das Potential zur Vollständigkeit, Heilung und Sinn."

Wenn wir uns also fragen "was genau will uns denn nun die Gralslegende sagen? ", kommen wir logischerweise zu der Erkenntnis:

Es handelt sich um eine beinahe sinnlose Suche, bei der sich die Suchenden in ungezählten Gefahren bewähren müssen.

Die Legende berichtet aber auch von Parzival, der den Gral, die Erlösung zwar findet, aber zu unreif ist, die entscheidene Frage zur Erlösung des kranken Königs zu formulieren. Er gibt aber nicht auf,

sucht weiter und erhält, gereift, eine zweite Chance. Die entscheidende Frage kommt ihm jetzt wie von selbst über die Lippen:

"Oheim, sag, was quält dich so?" Jede Frage, sofern sie von liebevoller Anteilnahme gestellt wird, ist praktisch die richtige und kann somit die gesuchte Erlösung bringen.